Kronplatz - Plan de Corones
Jakobsweg Südtirol
Jakobsweg in Südtirol

Etappe 3: Bruneck - Niedervintl

Von Bruneck bis Ehrenburg bzw. Kiens genießen wir nicht nur prächtige Wanderwege im breiten und sonnigen Pustertal. Aus der Sicht der Pilger, was wir ja sind, erwartet uns einerseits die Jakobskirche von St. Sigmund, andererseits auch ein Pilgerhospiz – einen eindeutigeren Hinweis auf die Pilgerroute gibt es nicht.

Zuerst aber werfen wir einen Blick auf die gotische Nikolauskirche von Stegen, gleich nach Bruneck, bei der besonders der um 1470 entstandene Kreuzweg sehenswert ist, weil die Fresken seiner 14 Stationen sowohl den Karner (Beinhaus) als auch die Kirche umrunden. Auf Waldwegen erreichen wir in Sonnenburg das schon erwähnte Hospiz St. Johann im Spital, schon im 12. Jh. von den Benediktinerinnen des Klosters Sonnenburg für Reisende, sowohl Romals auch Santiagopilger, an der immer stärker von Pilgern frequentierten alten Römerstraße errichtet.

Der römische Meilenstein, heute zwecks besserer Sichtbarkeit an der Staatsstraße aufgestellt, stand an der alten Straße, die unmittelbar am Hospiz vorbeiführt. Leider ist die Kapelle des Hospizes praktisch immer verschlossen, so entgehen uns das überlebensgroße Kruzifix aus dem 12. Jh. und das Fresko von Simon von Taisten, das einen am Fuß der gekreuzigten hl. Kummernuss knienden Geigenspieler zeigt.

Sonnseitig geht es auf schönen Wegen über dem Talboden weiter talauswärts. Erst in Ehrenburg bzw. Kiens erreichen wir das Ufer der Rienz. Lohnenswert ist ein Besuch der „Ehrenburger Kornmutter“ (ein Gemälde aus der Mitte des 15. Jh.) in der Gruftkapelle der Pfarrkirche von Ehrenburg, einem beliebten Wallfahrtsziel. An dieser anscheinend uralten christlichen Kultstätte beten die Pustertaler Bauern seit Jahrhunderten um eine gute Ernte – deshalb die „Kornmutter“.

Wer nicht bis St. Sigmund warten will, um den hl. Jakobus zu sehen, muss sich nur genauer in der Peter- und Paulkirche von Kiens umsehen (ursprünglich 15. Jh.) und entdeckt ihn an einem Seitenaltar, dargestellt als „Matamoros“ (Maurentöter).

Auf dem Wanderweg 2 am Ufer der Rienz kommen wir zum Gasthof „Gisser“ und von dort nach Norden in einem Bogen zur Pfarrkirche von St. Sigmund, zu dem sich als zweiter Patron – sicherlich wegen der wachsenden Popularität der Wallfahrt nach Santiago – der hl. Jakobus gesellt hat. Die Kirche beherbergt neben mehrfachen Darstellungen des Pilgerapostels vor allem den ältesten zur Gänze erhaltenen gotischen Flügelaltar Tirols, der zudem seit seiner Entstehungszeit (um 1430) seinen Platz nie verlassen hat.

Wir queren nach St. Sigmund zum ersten Mal seit Bruneck auf das südliche Rienzufer und gelangen auf der Pustertal-Radroute nach Niedervintl. (Auf halber Strecke haben wir die Möglichkeit, über eine Brücke zu einem Wanderweg am nördlichen Ufer und auf ihm nach Obervintl zu gelangen. Niedervintl erreichen wir von hier aus über den Wanderweg 2 A.) Die ursprünglich spätgotische Pfarrkirche (15. Jh.) von Obervintl ist dem hl. Nikolaus geweiht und wurde 1749 barockisiert. Auch das den hl. Christopherus darstellende Fresko an der Außenwand stammt aus dem 15. Jh. Der kleine Ort Niedervintl verfügt über zwei Gotteshäuser, die alte Pfarrkirche aus dem 14. Jh. und die dem Brixner Dom nachempfundene barocke Pfarrkirche Maria Verkündigung, 1763 geweiht.

Gehzeiten:
Bruneck > Kiens: 2 ½ Std.
Kiens > Niedervintl: 2 ¼ Std.

Weglänge:
25,2 km

Höhenunterschied:
Aufstieg: 535 m
Abstieg: 610 m
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