Kronplatz - Plan de Corones
Jakobsweg Südtirol
Jakobsweg in Südtirol

Etappe 5: Franzensfeste - Sterzing

Der Weg durch das ab Franzensfeste sehr enge Tal nach Sterzing bietet den Pilgern ein heftiges Kontrastprogramm im Spannungsfeld des europäischen Transitverkehrs und Weiler mit kuriosen Kleinoden, in denen es scheint, dass die Zeit stehen geblieben ist. Unübersehbar sind die Folgen der modernen Mobilität auf der wichtigsten Verkehrsachse über den niedersten Alpenpass: den Brenner.

Ab Franzensfeste wählen wir den alten und nicht asphaltierten Wirtschaftsweg nach Mittewald. Wir sind praktisch alleine und vom Autoverkehr unbehelligt unterwegs und müssen ihn dann, ab Mittewald asphaltiert, nur mit den Radfahrern teilen. Eine alte Militärstraße im Wald vor Pfulters verkürzt sehr zum Gefallen unserer Fußsohlen die Asphaltstrecke und wenig später, nach dem Weiler Niederried, kommen wir gar in den Genuss – zum Preis von etwa 100 Höhenmetern bergauf – eines Kreuzwegs durch den Wald. Wer auf die Höhenmeter verzichten kann, nicht aber auf die Kapelle des alten Wildbades Möders und die heilkräftige Petersquelle, beide am Straßenrand, bleibt bis zu diesem einzigartigen Platz auf der kleinen Straße. Seit 500 Jahren sprudelt aus der Quelle „rechtsdrehendes“ Wasser. Heute noch holen es die Menschen aus der Umgebung in Kanistern – es soll Hautkrankheiten heilen. Vom gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Heilbad steht nur mehr die Kapelle, der Platz aber berührt immer noch durch seine Schönheit und Ausstrahlung.

Auf den Wegen zur weithin sichtbaren, ursprünglich gotischen Pfarrkirche St. Peter von Stilfes, kommen wir durch eine bezaubernde Flusslandschaft, die wir hier nicht vermuten würden und die sich nur uns Fußgängern eröffnet. Denn Autofahrer sind zu schnell, um sie wahrzunehmen: Gemächlich und in weiten Mäandern schlängelt sich hier der Eisack durch saftige Sumpfwiesen, die einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren Heimat bieten. Ein kleines Stück Paradies! Von dort empfiehlt sich ein Abstecher auf die gegenüberliegende Talseite nach Maria Trens, dem nach Maria Weißenstein zweitwichtigsten Wallfahrtsort Südtirols.

Über das Sterzinger Moos und vorbei an der Burg Reifenstein, lange im Besitz des Deutschen Ritterordens, kommen wir hingegen direkt nach Sterzing, Stadt der Kaufleute, Knappen und Pilger. Wir überqueren von der Penser-Joch-Straße kommend, die Ridnauner Straße und gelangen über den Wirtschaftsweg fast gegenüber hinauf zur Jakobskirche von Thuins. (Hinein nach Sterzing auf dem gleichen Weg zurück, aber über die Autobahn und gleich danach rechts über den Wiesenweg zur Pfarrkirche.) Sitz einer Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Jakobsbruderschaft und auch Standort der Jakobskirche aus der gleichen Zeit war zwar Thuins, weil der alte Weg oberhalb an Sterzing vorbei durch Thuins führte, aber die Pilgerhospize der Johanniter und des Deutschen Ritterordens befanden sich in Sterzing, ebenso wie die den Pilgerapostel darstellenden Fresken an den Außenwänden von Privathäusern (eines in der Geizkofl erstraße, das andere auf der Staatsstraße Richtung Gossensaß). Das „Deutschhaus“ in unmittelbarer Nähe der sehenswerten Pfarrkirche (der erste Pfeiler links wurde übrigens von der Jakobsbruderschaft gestiftet) und das „Johannisstüberl“ in der Altstadt (untergebracht in der ehemaligen Kapelle des Hospizes) erinnern heute noch an die beiden für die Pilgerwege in ganz Europa so wichtigen Militärorden. Im Wappen der Stadt entgeht unseren Augen der legendenumwobene „Sterzl“ nicht. Vielleicht ist es dieser fromme Pilger mit Rosenkranz, auf Krücken gestützt, der dieser historischen Stadt den Namen verliehen hat.

Gehzeiten:
Franzensfeste > Mittewald: 1 Std.
Mittewald > Niederried bei Stilfes: 2 Std.
Niederried bei Stilfes > Sterzing: 2 Std.

Weglänge:
28,5 km

Höhenunterschied:
Aufstieg: 656 m
Abstieg: 442 m
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